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Im Lauf des Oktobers 2008 fiel mir bei Moritz ein leises Geräusch auf, wenn er sich bei mir am Schreibtisch tummelte. Es hörte sich ganz ähnlich an wie Niesen... nur mit dem Unterschied, dass er sich nicht dabei schüttelte. Da ich meine Vögel immer unter Kontrolle habe und jede Veränderung sofort be-merke, wurde ich natürlich hellhörig, zumal im Kathiforum gerade über Erkäl-tungskrankheiten und trockene Nasen bei Vögeln diskutiert wurde. Hatte sich der kleine Kerl vielleicht einen Schnupfen geholt?

Moritz war allerdings putzmunter wie immer und zeigte keinerlei Beschwerden - außer dass er ab und zu "nieste". Trotzdem war ich auf der Hut.

Am 03.11.2008 kam ich abends von der Arbeit nach Hause, begrüßte wie gewohnt die drei Jungs und hörte Moritz schniefen. Es war nur ein leises fiependes Atmungsgeräusch, aber der Brustkorb schien sich beim Atmen merklich zu heben. Ich war darüber sehr erschrocken und habe sofort die Rotlichtlampe rausgekramt. Den "Patienten" drunterzusetzen war gar nicht so einfach, denn die drei waren von meiner Besorgnis nicht gerade begeis-tert und flüchteten erstmal. Anschließend rückten sie jedoch geschlossen zusammen. Auch gut... dann bekamen eben alle drei eine Portion Rotlicht verabreicht.

Hilfesuchend habe ich mich an das Kathiforum gewandt... denn insgeheim hatte ich eine Befürchtung, die ich nicht aussprechen - und auch vielleicht nicht wahrhaben wollte, zumal mir Moritz keinerlei Anzeichen von Beschwer-den zeigte. Er flog nach wie vor leidenschaftlich gerne, hatte einen gesun-den Appetit und benahm sich lebhaft wie immer.

Trotzdem war ich in den nächsten Tagen noch aufmerksamer als sonst, da Vögel bis zuletzt Krankheiten verbergen. Dieses Verhalten ist in der Natur (über-)lebensnotwendig, denn ein kranker oder schwacher Vogel würde Feinde anlocken und dadurch den Schwarm gefährden. Ich wollte auf keinen Fall einen Fehler machen und etwas versäumen, schlich mich sogar nachts an die Voliere, um nach irgendwelchen Atemgeräuschen zu lauschen.

Um ganz auf Nummer sicher zu gehen, stellte ich Moritz am 07.11.2008 unserer neuen vogelkundigen Tierärztin vor. Die Untersuchung war sehr gründlich und Moritz erhielt das "volle Programm": Es wurden zwei Abstriche (Kropf und Kloake) sowie zwei Röntgenbilder gemacht. Für einen so kleinen Vogel war das eine äußerst unangenehme Prozedur und Moritz war danach verängstigt und sehr erschöpft.

Die Röntgenbilder zeigten leichte Schatten auf den Luftsäcken (kaum zu erkennen, aber trotzdem nicht zu verleugnen) und damit stand die Diagnose ASPERGILLOSE leider fest.

Behandeln sollte ich Moritz künftig mit Lamisil und Vitamin A, beides oral zu verabreichen. Zum damaligen Zeitpunkt ahnte ich leider noch nicht, wie schwierig das werden sollte.

Eine Woche später erhielt ich die Ergebnisse der beiden Abstriche. Die Bak-terien im Kot waren ganz normal und unauffällig, dafür wurde der Aspergillus auch im Rachen nachgewiesen.

Zu meiner Schande (Unvermögen?) muss ich gestehen, dass es mir auch über einen längeren Zeitraum nicht gelungen ist, Moritz die Medis in seinen Leckerlis unterzujubeln. Seit der Erfahrung beim Tierarzt war er mir gegen-über misstrauisch geworden und ich musste mir sein Vertrauen offenbar erst wieder verdienen.

Ich versuchte alles, wirklich alles - aber Moritz drehte sich weg, sobald ich ihm etwas hinhielt - er verschmähte sogar die heißgeliebten Hirsebömbel, als ob er wüsste, dass auch diese mit Lamisil oder Vitamin A "versetzt" waren.

Auch eine eintägige Einzelhaft in Charlies Bude (mit prall gefüllten Näpfen - allerdings mit Medis präpariert) half nicht. Er rührte nichts an, sondern ge-bärdete sich wie ein Verrückter, nur um wieder raus und zu seinen Kumpels zu dürfen.

Ich war total im Zweispalt... was sollte ich tun?

Wahrscheinlich hätte nur eine Zwangsverabreichung der Medikamente etwas genutzt - aber hätte Moritz wirklich einen Nutzen davon gehabt? Ich hätte ihn zweimal täglich fangen müssen und ihm das Lamisil bzw. das Vitamin A gegen seinen Willen einflößen müssen. Diese Prozedur wäre purer Stress für ihn gewesen. Da Stress Aspergillose begünstigen kann, wollte ich genau das vermeiden.

Ihm helfen - ja natürlich. Aber nicht stressen... und unbewusst quälen. Moritz ging es ja gut, er hatte keine Beschwerden. Jedenfalls zeigte er mir keine. Und dass er sich so gut verstellen konnte, glaubte ich einfach nicht. Ein Vogel, der unter Atemnot leidet, fliegt nicht wie ein geölter Blitz. Wahr-scheinlich hätte er die Welt nicht mehr verstanden, warum ich ihn plötzlich einfange und im zwangsweise etwas verabreiche.

Dazu kam meine Angst, dass das Lamisil zwar den Pilz abtöten würde, aber eine toxische Reaktion auslösen und im schlimmsten Fall Leber und Nieren schädigen könnte. Moritz ist Jahrgang 1998 - ein Kathi-Rentner sozusagen. Wer weiß, ob sein Organismus das verkraftet hätte.

Meinem Gefühl nach wollte ich lieber alles dafür tun, dass er sich wohlfühlt und gut mit seiner Krankheit zurechtkommt. Und alles vermeiden, was ihn stressen könnte.

Zur Verbesserung des Raumklimas haben wir einen Zimmerbrunnen und zusätzlich einen Venta Luftwäscher angeschafft. Wir haben jetzt eine Luft-feuchtigkeit von 50 - 55 %. Die Raumtemperatur wurde auf maximal 20-21 Grad gesenkt und wir lüften trotz Bärenkälte täglich. Die Annahme, dass es "Südamerikaner" auch im Winter kuschelig warm haben müssen, war ein Irrtum meinerseits. Trockene Heizungsluft lässt auch die Schleimhäute der Vögel austrocknen und begünstigt, dass sich der Aspergillus dort ein-nisten kann.

Ab sofort verwenden wir staubfreies Einstreu wie Buchenholzgranulat. Moritz wühlt zu gerne am Boden und zieht seine Kreise in das Streu. Das bisherige Einstreu "Waldboden" von Vitakraft benutze ich nicht mehr. Ich möchte alles ausschließen, was seine kurzen "Niesanfälle" auslösen könnte.

Eine Stärkung der Abwehrkräfte bzw. des Immunsystems erhoffe ich mir von der Beigabe von Propolis ins Trinkwasser, KORVIMIN ZVT+Reptil über das Futter und abwechselnd Vitamine bzw. Apfelessig in einen weiteren Trinknapf. Die tägliche Vergabe von Vitaminbomben wie frischem Obst und Gemüse sind sowieso selbstverständlich.

Für den Fall, dass Moritz Atembeschwerden bekommen würde, steht ein Pari Boy (Inhalator) bereit. Inhalieren würde ich mit F 10, einem Mittel, das sich bei der Aspergillosebehandlung bewährt hat, da es gut verträglich ist.

Ich habe zum Zeitpunkt der Diagnose nächtelang im Internet gestöbert und mich schlau gemacht, habe mich mit betroffenen Haltern ausgetauscht und bin zum Entschluss gekommen, dass ich genau diesen Weg gehen möchte.

Natürlich ist mir bewusst, dass die Behandlung von Moritz keine wirkliche Be-handlung ist. Ich möchte nur alles vermeiden, was ihn stressen könnte und im Gegenzug alles dafür tun, dass es ihm gut geht. Dass auch Tiere so et-was wie Selbstheilungskräfte haben - darauf hoffe ich.

Möglicherweise hat ja auch der Übergang in die Heizungsperiode die Atem-geräusche ausgelöst und die Verbesserung des Raumklimas reicht aus, um Moritz' Beschwerden zu lindern.

Bis jetzt (Februar 2009) habe ich mit meiner Vorgehensweise einen guten Erfolg. Moritz zeigt bis heute keinerlei Beschwerden. Er ist quietschfidel und munter, fliegt weiterhin gerne und viel, hat einen guten Appetit und macht einen pumperlgesunden Eindruck. Atemgeräusche habe ich seither nicht mehr gehört, auch das anfängliche Niesen höre ich nur noch selten.

Dass ich meinen Jungs jetzt öfters mal was durchgehen lasse, was früher "verboten" bzw. nicht erwünscht war, wie zum Beispiel Freiflug, wenn wir unsere Mahlzeiten einnehmen, hat folgenden Hintergrund:

Manchmal bedauere ich es, dass ich keine zahmen Vögel habe, denen ich erforderliche Medikamente mit irgendeinem Leckerli ohne Einfangen unter-jubeln könnte. Es ist wirklich eine Gratwanderung. Auf der einen Seite möch-te ich eine Vermenschlichung vermeiden... auf der anderen Seite wäre diese bei Krankheitsfällen von Vorteil.

Zur Zeit "übe" ein bisschen für den Fall der Fälle. Wenn die Jungs bei mir auf dem Schreibtisch rumwuseln und ich einen von ihnen gerade gut "grapschen" kann, dann greife ich zu ;-)... halte ihn ein bisschen in der Hand, streichle ihn, rede leise mit ihm, setze ihn auf meine Schulter und öffne wieder lang-sam die Hand. Sie reagieren alle gleich... meistens verweilen sie für einen kurzen Moment und fliegen unbekümmert und nicht panisch davon. In den nächsten Minuten wuseln sie schon wieder bei mir rum... ich hab dann das gute Gefühl, dass ich sie nicht verböllert habe. Und vielleicht gewöhne ich sie auf diese Weise auch ein wenig an meine Hand.

Aprospos Hand... Moritz ist bis jetzt der Einzige, der was aus meiner Hand annimmt. Ich habe es in der Vergangenheit immer vermieden, meine Tiere zu locken und somit an mich zu gewöhnen. Aber seit der Diagnose Aspergillose sehe ich wirklich einen Vorteil, wenn sie etwas zutraulicher wären.

Ein paar Mal ist es mir bis jetzt gelungen, dass er ein wenig Apfelsaft von einem langen Löffel getrunken hat... ich habe die Hoffnung, dass die beiden anderen es irgendwann (aus Futterneid) nachmachen. Auf diese Art und Weise ließe sich ein Medikament gut "an den Vogel" bringen...

Auf jeden Fall werde ich weiterberichten, sollte sich irgendetwas an Moritz' Gesundheitszustand ändern.

Auf keinen Fall jedoch werde ich ihn stressen und zu etwas zwingen, was ihm vielleicht (!) nutzt und sein Leben etwas verlängert - aber was er nicht begreift. Dieser kleine Kerl ist 11 Jahre an meiner Seite, er ist mit mir voll im Vertrauen und wir haben so etwas wie Freundschaft geschlossen.

Wenn es ihm schlecht gehen würde und er spüren würde, dass ihm meine "Behandlung" gut tut, wäre es etwas anderes, dann würde ich meine Zeilen neu überdenken. Aber momentan ist das nicht notwendig... das Verwöhn-programm schlägt an und ich habe das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein.

Moritz hat nicht mehr viel Zeit... der älteste mir bekannte Kathi ist 14 Jahre alt geworden... und diese Zeit soll eine schöne für ihn sein.

Update April 2009:
Die Sonne verwöhnt uns... die Heizung kann wieder abgedreht werden - ich denke, den Winter haben wir gut überstanden! Ich freue mich schon auf die nächsten Monate, in denen die drei Jungs wieder so oft wie möglich in der frischen Luft sitzen können...